2021 – ein Jahr der Herausforderungen für das kulturelle Erbe: Zur aktuellen Situation der Burgen, Schlösser und Gärten. Jahrestagung des Vereins Schlösser und Gärten Deutschland e.V.

HERRENHÄUSER GÄRTEN HANNOVER
2021 – ein Jahr der Herausforderungen für das kulturelle Erbe: Zur aktuellen Situation der Burgen, Schlösser und Gärten. Jahrestagung des Vereins Schlösser und Gärten Deutschland e.V.
„Schlösser und Gärten Deutschland e.V.“ ist der bundesweit aktive Zusammenschluss kulturtouristisch genutzter Monumente. Der Verein zählt inzwischen 67 Mitglieder: Sie stehen für 385 Besuchermonumente und gut 18 Millionen jährlicher Gäste. Die Themen, die der Verein auf seine Agenda setzt, sind immer wieder ein Indikator der Entwicklung im Kulturtourismus. Gastgeber des Jahrestreffens, in diesem Jahr am 8. und 9. September, sind die Herrenhäuser Gärten. Das Treffen dient als Forum, auf dem neue Wege entwickelt, gedacht, diskutiert und eingeschlagen werden. Michael Hörrmann, alter und wiedergewählter neuer 1. Vorsitzender des Vereins, benennt die brennenden aktuellen Themen: „Die Corona-Einschränkungen, der Klimawandel und der Wandel der Besucherstruktur – das sind Themen, die für alle Monumente, die vom Besuchsbetrieb leben, existenzielle Fragen aufgeworfen haben.“
Die Geschichte des Vereins seit seiner Gründung ist die eines Erfolges: Jedes Jahr kommen weitere Mitglieder zu der bundesweiten Interessensvertretung hinzu. Auch in diesem Jahr ist die Zahl wieder gewachsen. Neu aufgenommen wurden die Kaiserpfalz Goslar, Schloss Jever, Schloss Braunfels und Schloss Berlepsch. Die Dynamik des Vereins hat auch mit der aktuellen Situation zu tun, die den deutschlandweiten Erfahrungsaustausch besonders nützlich erscheinen lässt. Michael Hörrmann: „Es hat sich längst gezeigt, dass in der gemeinsamen Diskussion die besseren Lösungen entstehen.“
Als ein „schwieriges Jahr für alle“ bezeichnet der Schlösservereins-Vorsitzende die zurückliegende Zeit. Die Einschränkungen der Corona-Pandemie haben auch für die Besuchermonumente, und gleichermaßen für Monumente in privater, kommunaler oder staatlicher Trägerschaft, viele Schwierigkeiten gebracht. Michael Hörrmann: „Massive Besuchseinbrüche bedeuten hohe finanzielle Ausfälle – Mittel, die fehlen für die Erhaltung und um ein attraktives Service- und Vermittlungsangebot zu entwickeln.“ Bereits jetzt sei absehbar, dass auch 2022 die Zahlen von 2019 noch nicht wieder erreicht werden können.
Zudem wurde deutlich, dass die unterschiedlichen Fördermaßnahmen zu wenig die Betriebsbedingungen der Schlösser, Burgen und Gärten berücksichtigen – trotz ihres unbestreitbaren Wertes für das kulturelle Erbe Deutschlands und ihrer zentralen touristischen Bedeutung. In der Corona-Krise zeigte sich, dass noch nicht in allen relevanten Behörden und Ministerien ausreichendes Wissen über die deutschen Schlösser und Gärten vorhanden ist: „Dieses Wissen herzustellen, wird eine der großen Aufgaben des Vereins in den nächsten Jahren sein“, urteilt der alte und neue Stellvertretende Vorsitzende Fürst Alexander zu Sayn- Wittgenstein.
Außerdem deutet sich eine weitreichende Veränderung an: Mit einem längerfristigen Wechsel im Besuchsverhalten und mit dem Ausbleiben internationaler Zielgruppen muss gerechnet werden. Ein bedrängendes Thema, insbesondere für die Gartenbesitzer, sind die großen Gefahren für die historischen Anlagen durch den Klimawandel. Schon vor Corona war erkennbar, dass der Klimawandel die kulturhistorischen Monumente in ungeahntem Maße und eher als erwartet direkt betrifft. Insbesondere für den Erhalt der historischen Gärten und Parks müssen daher schnell neue Wege beschritten werden. Schlösser und Gärten Deutschland e.V. hat vor einem Jahr mit Partnern das „Initiativbündnis Historische Gärten im Klimawandel“ gegründet. Die neue Interessensvertretung mit Sitz in Berlin hat sich in nur einem Jahr zu einem wichtigen deutschlandweiten Netzwerk und zu einer Informationsplattform entwickelt.
Die Jahrestagung des Verein Schlösser und Gärten Deutschland e.V. in den Herrenhäuser Gärten in Hannover setzte daher große Fragen und unterschiedliche Ansätze für Wege in die Zukunft auf die Agenda. Der Titel der Jahresveranstaltung skizzierte die Reichweite: „Neue Zielgruppen? Neue Erwartungshaltungen? Wie sprechen wir unsere künftigen Gäste erfolgreich an?“. Für die kulturtouristischen Institutionen, egal welcher Größe, geht es nach der Unterbrechung der Besuchstradition in der jüngsten Vergangenheit vor allem darum, die bisherigen Besucherinnen und Besucher neu zu motivieren. Auf der anderen Seite steht die Zukunftsaufgabe, ganz neue Zielgruppen mit neuen Angeboten zu erreichen. Arbeitsgebiete können der Naturtourismus werden, der sich in den letzten Jahren zum Trend entwickelt hat, der boomende Fahrradtourismus und der enorm gewachsene Wohnmobiltourismus-Markt: Arbeitsfelder und Chancen für die Schlösser, Burgen und Gärten in Deutschland.
Foto: © Frank Wilde










