In Hannover: Lungen-Check auf Rädern

In Hannover: Lungen-Check auf Rädern
MHH an HANSE-Vorsorgeprogramm für ehemalige und aktive Raucherinnen und Raucher beteiligt


Am 26. Juli startet das bisher größte deutsche Programm zur Früherkennung von Lungenkrebs mit über 12.000 Probanden. Drei Lungenzentren in Norddeutschland und der prominente Arzt und Schirmherr der Studie Dr. Eckart von Hirschhausen laden Frauen und Männer im Alter zwischen 55 bis 79 Jahren zum kostenlosen Lungencheck ein. Zielgruppe sind (Ex-)Raucherinnen und Raucher, die ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs aufweisen. Bis zu 5.000 Personen erhalten eine kostenlose Untersuchung mit einer modernen Niedrigdosis-Computertomographie (CT) in einem mobilen Studien-Truck, der zwischen den drei Studienstandorten Hannover, Lübeck und Großhansdorf bei Hamburg wechselt.

Das HANSE-Vorsorgeprogramm wird unter der Leitung von Professor Dr. Jens Vogel-Claussen (Medizinische Hochschule Hannover), Dr. Sabine Bohnet (UKSH Campus Lübeck) und Professor Dr. Martin Reck (LungenClinic Großhansdorf) durchgeführt und ist bis Sommer 2023 angesetzt. In dieser Zeit sollen 350.000 Personen im Großraum der Städte für eine Teilnahme kontaktiert werden. Eine Anmeldung zum kostenlosen Lungencheck ist bereits jetzt online unter www.hanse-lungencheck.de möglich.

Lungenkrebsfrüherkennung in Deutschland

Lungenkrebs verursacht im frühen Stadium oftmals keine Beschwerden und wird häufig erst im fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium diagnostiziert, was die Heilungsaussichten verschlechtert. Es ist die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen und die häufigste bei Männern. Mittlerweile zeigen jedoch Studien, dass mittels Niedrigdosis-CT Lungentumore frühzeitig erkannt und damit die Lungenkrebssterblichkeit verringert werden kann. „Mit unserem HANSE Lungen-Check als Pilotstudie wollen wir den Nachweis erbringen, dass ein ganzheitliches und effektives Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm in Deutschland in den Strukturen des Deutschen Gesundheitswesens für Risikopatienten implementiert werden kann“ sagt Professor Dr. Jens Vogel-Claussen, wissenschaftlicher Leiter der Studie und Prüfarzt an der MHH. Aller Voraussicht wird es ab 2023 erstmalig ein nationales Programm für Lungenkrebsscreening geben.

Entscheidend ist das individuelle Risikoprofil

Im HANSE-Vorsorgeprogramm wird die Umsetzbarkeit und Effektivität einer modellbasierten gegenüber einer herkömmlichen Risikoeinschätzung für Lungenkrebs geprüft. Da insbesondere Personen mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko von einem Vorsorgeprogramm profitieren, ist vor der Teilnahme das individuelle Risikoprofil zu bestimmen. Dieses können sich Interessierte auf der HANSE-Studienwebseite errechnen lassen. „Nur bei einem erhöhten Risiko werden die Personen zum Niedrigdosis-CT eingeladen. Das ist ganz entscheidend, denn nur so stellen wir sicher, dass der Nutzen der Untersuchung die Risiken überwiegt“ sagt Prof. Vogel-Claussen. „Die niedrig-Risikoprobanden brauchen wir aber natürlich auch, um herauszufinden, ob sich bei Ihnen trotz geringem Risiko Lungenkrebs entwickelt hat.“

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Der Lungen-Check wird von einem interdisziplinären Team der Radiologie und Pneumologie durchgeführt. Eingesetzt wird eine CT-Technologie, die mit einer besonders niedrigen Strahlendosis auskommt und nur etwa ein Zehntel der durchschnittlichen jährlichen natürlichen Strahlung in Deutschland beträgt. Die Probanden erhalten mit diesem schonenden bildgebenden Verfahren detaillierte Informationen bezüglich eines eventuell vorliegenden Lungenkrebses und können anschließend in den zertifizierten Krebszentren medizinisch versorgt werden. Gleichzeitig wird auf mögliche weitere Lungen- oder Herzkreislauferkrankungen wie Emphysem der Lunge oder Arteriosklerose untersucht. Bei der Auswertung bietet eine auf künstlicher Intelligenz basierte Software Unterstützung. Die umfassenden Befunde werden im Anschluss auch den jeweiligen niedergelassenen Haus- und Fachärztinnen und -ärzten übermittelt. Neben dem CT wird den Teilnehmenden ein Angebot zum Rauchstopp gemacht. „Die beste Prävention ist immer noch mit dem Rauchen aufzuhören“, betont Professor Vogel-Claussen. Unterstützung bieten hier professionelle Raucherentwöhnungsprogramme an den drei Studienstandorten.

Die Studie wird vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) sowie vom Pharmakonzern AstraZeneca im Rahmen der Lung Ambition Alliance, einer Partnerschaft zwischen Industrie und Wissenschaft, unterstützt und gefördert.

Foto: © Stefan Knaak Photography
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