Pieter Schoolwerth »No BodyGet a Head, 1991–2020«verlängert bis 08.08.2021

Pieter Schoolwerth »No BodyGet a Head, 1991–2020« verlängert bis 08.08.2021

Die erste institutionelle Einzelausstellung in Europa des US-amerikanischen Malers Pieter Schoolwerth wird bis zum 08.08.2021 verlängert. Seit Anfang Dezember 2020ist die umfangreiche Überblicksschau bereits installiert. Nun hoffen wir, dass es die pandemische Situation bald zulässt, dass wir die Ausstellung auch real der Öffentlichkeit zugänglich machen können.

Für die Ausstellung »No Body Get a Head, 1991–2020« im Kunstverein Hannover wurden über 60 Werke, darunter zahlreiche Gemäldesowie Reliefe, Installationen und Filme,versammelt. Das in der Ausstellung präsentierte, über die Zeitspanne von 30Jahren entstandene Œuvrezeugt nicht nur von handwerklicher Virtuosität, sondern gibt viel mehr einen Einblick in die verschiedenen Dimensionen zwischenmenschlicher Interaktion, insbesondere unter dem Einfluss der wachsenden Digitalisierung. Pieter Schoolwerth versteht es, die Kunstgeschichte mit Ästhetiken virtueller Welten und gleichzeitig altmeisterliche Techniken mit digitalen Möglichkeiten der Bildkomposition zu verbinden.

Bereits der Titel spielt sowohl mit der Frage des kopflosen Körpers (Niemand bekommt einen Kopf) oder einer möglichen Absurdität des nicht Voran-oder Weiterkommens in dieser Welt (to get ahead) als auch mit dem Verschwinden des Körpers. Viele der Werktitel Schoolwerths tragen eben diesen doppeldeutigen Humor in sich und sind gleichsam von konzeptueller Intelligenz gespeist. Inhaltlich befasst sich der Künstler mit nichts Geringerem als dem Porträt des Menschen zwischen Stillstand und Bewegung in all seiner Vielschichtigkeit und Fragmentierung, als »delirie-rendem« Wesen zwischen analogem und virtuellem Raum.

Durchgängig in dieser Ausstellung sind auftauchende Körperkonturen oder auch Schatten zu sehen, die gewissermaßen aus einem digitalen, diffus anmutenden Raum im Bild hervortreten. Die Ausstellung vollzieht die Entwicklung der Schoolwerthschen Bildwelten von zunächst psychedelisch entwickelter Kartografie bishin zu Bildkompositionen, die schließlich in mehreren Arbeits-schritten – von der digitalen Konzeption bis zur analogen Bearbeitung – durch malerische Gesten finalisiert werden.

Aus jeder seiner Werkserien wurden exemplarische Werke ausgewählt, sodass sich die Entwicklung der Malereisprache von Pieter Schoolwerth geradezu abschreiten lässt. Mit der Werkreihe »Portraits of Paintings« (2009–2012) beginnt Pieter Schoolwerth, digitale Bilder altmeisterlicher Werke des16. bis18. Jahrhunderts für seine Malereien zu verwenden. Hierfür werden Abbildungen der Gemälde alter Meister digital bearbeitet, auf die Leinwand gedruckt und malerisch weiterverarbeitet.

Eigens für den großen Oberlichtsaal hat Pieter Schoolwerth ein verschachteltes Raumsystemaus farbigen Wänden mit Ausschnitten in der Größe von Tafelbildern bauen lassen, inwelchem er zahlreiche Malereien, Collagen und Readymades inszeniert. Basis hierfür bilden Text und Plot des mit Alexandra Lerman kreierten Films»YourVacuum Sucks«(2015). Unterteilt in sieben Episoden, taucht wiederkehrendein schattenartiger Protagonist auf, der sich umgangssprachlich mit Menschen in privater häuslicher Umgebung über absurde Themen des Alltäglichen austauscht. Einer von ihnen hält einen Staubsauger in der Hand und spricht mit demdurch Umrisse zu sehenden Schattenwesen über das Saugen (to suck). Der Begriff des Vakuums, der im Englischen verkürzt den Staubsauger (Vacuum Cleaner) bezeichnet, interessiert den Künstler hier wiederum als Zustand. Die Frage ist, wer sich in welchem Vakuum befindet und mit welchen Kuriositäten des Alltags zu kämpfen hat.

In einer weiteren Serie hat Pieter Schoolwerth das Bildnerischeins Dreidimensionale gewandt und in Reliefe übertragen, wovon drei verschiedene Varianten zu sehen sind. Den inhaltlichen Impuls für die Serie »Model as Painting« (2015–2019) liefert das in den 1990er-Jahren erschienene Buch »Painting as Model«von Yve-Alain Bois, das ins besondere abstrakte Malereithematisierte und zum Klassiker avancierte. Das Zusammenspiel aus digital bedruckten Bildelementen und gemalten Gesten nimmt in dieser Werkserie von Pieter Schoolwerth an Komplexität zu und das Sehen an sich wird mehr als auf die Probe gestellt.

Die neuste, unter den Bedingungen der Pandemie entstandene Arbeit ist »Shifted Sims #4 (Dine Out Expansion Pack) (2020)«, die bewusst auf die durch social distancing nötigen digitalen Alternativen zur sozialen Interaktionin Form von Videospielen wie das hier zitierte Sims referiert. Wie bereits bei den frühen Werken aus den 2000er-Jahren lässt sich anhand der Ausstellung gleichzeitig die mediale Entwicklung und das zunehmend präsenter werdende Digitale in den Bildern von Pieter Schoolwerth ablesen – von Menschen, die über klassische Mobiltelefone kommunizieren oder iPods tragen bishin zur Gaming-Kultur und deren Einfluss auf unser Denken und Handeln.

Ein umfangreiches digitales Rahmenprogramm mit Dialogführungen mit Maler*innen aus Hannover und Vorträgen, u.a. von der Theoretikerin und Hochschulprofessorin Prof. Dr. Isabelle Graw, hat bereits ebenso wie unser vielfältiges Vermittlungsprogramm für Kinder und Jugendliche gestartet und wurde und wird flächendeckend genutzt. Sobald es möglich ist, werden wir diese Angebote im Hof des Künstlerhauses oder in unseren Räumen analog, hybrid oder rein digital weiterführen.

Das Ausstellungsprogramm des Kunstvereins Hannover verschiebt sich folgendermaßen:

  • 89. Herbstausstellung des Kunstvereins HannoverIm KunstvereinHannover, im konnektor –Forum für Künste, TANKE Kunstprojektraum, Keller III, in der Markuskirche sowie in der Staatsoperund im Schauspiel Hannover04.09.–31.10.2021
  • ars viva-Preis 2020 für Bildende KunstRob Crosse, Richard Sides, Sung Tieu27.11.2021–16.01.2022
  • Kameelah Janan RasheedEinzelausstellung05.02.–03.04.2022
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Ausstellung im Berggarten: „Wilde Vielfalt im Garten“ - 11. Juni bis 18. Oktober 2026
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10 Jahre Hörregion Hannover: Hörfest auf dem Waldberg Empelde Familienfest rund ums Hören am Sonntag, 31. Mai, von 11 bis 18 Uhr / Eintritt frei