Seltenes Ereignis im Berggarten -Der Titanenwurz blühte 

Seltenes Ereignis im Berggarten - Der Titanenwurz blühte 

Das Warten in den Herrenhäuser Gärten hatte heute ein Ende. Eine Woche lang ließ die Titanenwurzblüte auf sich warten. Die imposante Knospe ist inzwischen auf knapp zwei Meter in die Höhe gewachsen. Gestern (26. November) begann sie sich ab etwa 15 Uhr zu öffnen. Den typischen Aasgeruch hat die Pflanze gestern Abend intensiv verströmt.

Die tropische Pflanze mit dem botanischen Namen Amorphophallus titanum bildet nur alle paar Jahre einen Blütenstand, dafür aber umso eindrucksvoller: Die größte Blume der Welt wird bis zu drei Meter hoch. Bemerkenswert sind nicht nur die Größe und die bizarre Form des Blütenstands – am ersten Tag verströmt er einen starken Aasgeruch, um Insekten zur Bestäubung anzulocken. Leider ist das Vergnügen nur von kurzer Dauer. Der Blütenstand beginnt schon nach etwa 12 Stunden zu welken. Doch auch am zweiten Tag ist er durchaus noch eindrucksvoll.

Im Berggarten kommt erst zum zweiten Mal eine Titanenwurz zur Blüte. Dabei handelt es sich um Nachwuchs der von Hand bestäubten Pflanze, die 2014 im Berggarten geblüht hat. Sie hatte eine Höhe von 1,86 Meter erreicht.

Hintergrundinformationen:

Die Titanenwurz (Amorphophallus titanum, engl. Titan Arum)

Die auf Sumatra heimische Titanenwurz gehört zu den Aronstabgewächsen (Araceae), zu denen auch unser einheimischer Aronstab gehört. Die Gattung Amorphophallus umfasst circa 200 Arten aus den Tropen Afrikas, Asiens und Australiens. Nur A. titanum wird so groß. Der Berggarten hat eine Sammlung von circa 30 Amorphophallus-Arten.

Sie blüht zum zweiten Mal in Hannover. Zum ersten Mal blüht in Herrenhausen eine Titanenwurz aus eigener Vermehrung.

Die jetzt blühende Pflanze ist ein Sämling aus eigener Handbestäubung der Titanenwurz, die 2014 im Berggarten geblüht hat. Bestäubt wurde sie mit Pollen einer Pflanze aus dem Botanischen Garten Kiel.

Temperatur im Schauhaus: Circa 26 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von etwa 80 bis 90 Prozent.

Die Pflanze ist mit nur sechs Jahren eine Ausnahmeerscheinung, in der Regel blühen Titanenwurze erst ab einem Alter von neun oder zehn Jahren.

Titanenwurz-Knollen können ab einem Gewicht von über 10 Kilogramm erstmals blühen. Die Knolle der jetzt blühenden Pflanze wog vor dem Austrieb 18,8 Kilogramm. Es sind aber Knollen bekannt, die ca. 150 Kilogramm wiegen.

Die größte Blume der Welt (NICHT die größte Blüte der Welt und NICHT der größte Blütenstand der Welt!). Weiteres Superlativ: Man kann auch sagen, es ist der größte unverzweigte Blütenstand der Welt.

Der Blütenstand (die Blume) kann bis zu 3 Meter hoch werden (je nach Stärke der Knolle), das Hüllblatt des Blütenstands kann bis zu 1,5 Meter Durchmesser erreichen.

Die eigentlichen Blüten sind sehr klein. Männliche und weibliche Blüten stehen am selben Blütenstand am unteren Ende des Spadix (zentraler Kolben), verdeckt von der Spatha (Hochblatt).

Der Blütenstand ist kurzlebig. Er öffnet in der Regel am späteren Nachmittag und beginnt meist nach circa 12 Stunden zu welken. Es sollen aber auch schon Blütenstände für zwei Tage geöffnet gewesen sein.

Der Blütenstand verströmt am ersten Tag einen starken Aasgeruch. Damit werden am Naturstandort Aas-Käfer und Fliegen angelockt. Auf der Suche nach einem Eiablageplatz kriechen die Insekten in die Tiefe des Blütenstands und führen die Bestäubung durch. Die Larven, die aus den Eiern schlüpfen, gehen zugrunde. Der Blütenstand ist also eine Täuschblume.

Zeitgleich zur Geruchsentwicklung erhitzt sich der Spadix auf circa 36° Grad Celsius, was die Diffusion der Duftstoffe erleichtert.

Jede Knolle bildet ein bis zu sechs Meter hohes Blatt, das bis zu 20 Monate lebt. Danach welkt das Blatt und die Knolle durchläuft eine Ruheperiode, bevor sie ein neues Blatt entwickelt. Oder einen Blütenstand. Zur Bildung eines Blütenstands müssen ausreichend Reservestoffe gebildet und eingelagert werden. Meist vergehen bis zu zehn Jahre, bis eine Knolle erneut blühen kann.

Die Pflege von Amorphophallus titanum ist anspruchsvoll. Es werden tropische Bedingungen und hohe Temperaturen benötigt, und die Knollen sind sehr anfällig.

Infos von: Dr. Boris Schlumpberger, Botaniker/Kurator der Herrenhäuser Gärten

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