Vielfältiges Leben in den Naturwaldparzellen - Zahlreiche Käfer-, Fledermaus- und Wildbienenarten nachgewiesen

Vielfältiges Leben in den Naturwaldparzellen - Zahlreiche Käfer-, Fledermaus- und Wildbienenarten nachgewiesen

„Naturwaldparzellen“ oder „Schutzwälder“ sind wichtige Rückzugsorte für Käfer, Wildbienen und Fledermäuse in der Stadt. Drei aktuelle wissenschaftliche Gutachten bestätigen die Bedeutung dieser Areale für die Fauna in Hannover. „Die Naturwaldparzellen und die nachhaltig bewirtschafteten Waldflächen in der Landeshauptstadt Hannover leisten einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz“, unterstreicht Johannes Drechsel, Forstwissenschaftler im Fachbereich Umwelt und Stadtgrün. „Die neu gewonnenen Erkenntnisse über die Artenvielfalt der Insekten sind zudem ein wichtiger Beitrag für das im Oktober 2020 gegründete ‚Insektenbündnis Hannover‘.“

301 Käferarten

Drei Experten haben der Verwaltung im vergangenen Jahr die Ergebnisse ihrer Untersuchungen vorgelegt: Der Biologe Dr. Peter Sprick konnte in seinem „Käfergutachten“ für die Eilenriede und das Ricklinger Holz insgesamt 301 Käferarten nachweisen, die im und am Holz lebender und toter Bäume leben. Besonders bemerkenswert ist dabei der Fund von neun sogenannten „Urwaldreliktarten“ – darunter auch der streng geschützte Eremit (Osmoderma eremita), der in der Eilenriede gefunden wurde. Der Nachweis der „Urwaldreliktarten“ belegt, dass die Eilenriede ein wertvoller und seit Jahrhunderten sehr naturnaher Wald ist.

13 Fledermausarten

Der Diplom-Ingenieur Ivo Niermann wies in seinem Gutachten für die nördliche Eilenriede neun und im Ricklinger Holz 13 Fledermausarten nach. Damit hat sich die Artenvielfalt in beiden Gebieten erhöht. Bei den Erstuntersuchungen im Jahr 1997 wurden in den Altholzparzellen jeweils sieben Arten verzeichnet. Das Gutachten bestätigt damit den großen Wert der Flächen als Lebensraum für diese geflügelten Säugetiere.   

75 Wildbienenarten

Auch der Diplom-Biologe Rolf Witt zieht ein positives Fazit in seinem Gutachten zur Kartierung von Stechimmen (Wildbienen) in der Eilenriede. Er hat auf Wiesen und Lichtungen insgesamt 75 verschiedene Arten festgestellt, darunter seltene und teilweise stark gefährdete Arten wie die Blattschneiderbiene (Megachile ligniseca) und die in Niedersachsen seltene Grabwespe (Pemphredon baltica).  

Naturschutz in Hannovers Wäldern

Der Eilenriede kommt als innerstädtischer Wald in Hannover eine herausragende Bedeutung für den Schutz von vielen Tier- und insbesondere Insektenarten zu. Die 640 Hektar große Waldfläche bietet dabei unterschiedlichste Lebensräume für viele Insektenarten. Das sind, neben Waldlichtungen mit krautigen Pflanzen, vor allem die Waldbäume selbst, die den Tieren als Nahrungsquelle und Lebensraum dienen.

Für den Naturschutz sind dabei sogenannte „Schutzwald-“ oder „Naturwaldparzellen“ besonders interessant. Dabei handelt es sich um insgesamt 122 Hektar Stadtwaldfläche in der Eilenriede, der Seelhorst, im Tiergarten und im Ricklinger Holz, die 1997 aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen wurden und sich weitgehend selbst überlassen sind. Ziel ist es, hier die natürliche Waldentwicklung zuzulassen und die Entwicklung des Artenvorkommens wissenschaftlich zu begleiten. Seit der Ausweisung der Schutzwald-Areale lässt der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün dort regelmäßig von Wissenschaftler*innen den Bestand und die Entwicklung der darin lebenden Tier- und Pflanzenarten untersuchen und dokumentieren. Die Naturwaldparzellen in Hannovers Stadtwäldern und ihre Untersuchung hinsichtlich des Artenvorkommens werden auch zukünftig einen zentralen Bestandteil des Artenschutzes der Landeshauptstadt Hannover bilden.

Aktuelle Informationen zu den städtischen Wäldern und die detaillierten Ergebnisse der Gutachten bietet das Internet unter www.Hannover.de/stadtwälder. Weitere Informationen zum „Insektenbündnis Hannover“ stehen auf der Seite www.hannover.de/insektenbündnis-hannover.

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