Was heißt hier Barock? Fürst*in, Garten, Hofkultur - Eine Ausstellung im Museum Schloss Herrenhausen - 31.03.2022 bis 08.01.2023
Was heißt hier Barock? Fürst*in, Garten, Hofkultur - Eine Ausstellung im Museum Schloss Herrenhausen - 31.03.2022 bis 08.01.2023
Der Große Garten Herrenhausen gilt als eines der wenigen Zeugnisse barocker Gartengestaltung, das in seinen Grundstrukturen über die Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben ist. Aber was macht einen barocken Garten überhaupt aus? Und welche gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen haben den Garten in Herrenhausen hervorgebracht?
Die Ausstellung präsentiert in vier Themenbereichen Facetten der Entstehung und Gestaltung des Großen Gartens. Dazu gehört zunächst der Fürstenhof des Adelsgeschlechts der Welfen im 17. und 18. Jahrhundert. Die Sommerresidenz Herrenhausen war neben dem Leineschloss in der Stadt Hannover sowie den Jagdschlössern in Linsburg bei Nienburg und in der Göhrde bei Lüneburg der wohl repräsentativste Ort, an dem sich die Hofgesellschaft im Jahreszyklus aufhielt. Spektakulärer waren im Vergleich dazu nur die häufigen und in der Regel monatelangen Aufenthalte der Hofgesellschaft zum Karneval in Venedig in der Regierungszeit der Herzöge Johann Friedrich und Ernst August (1665 bis 1698). Kupferstiche aus dem frühen 18. Jahrhundert und aktuelle Fotografien derselben
Gartenräume veranschaulichen und erläutern Gestaltungsprinzipien der barocken Gartenkunst in Herrenhausen: Die zentrale Ausrichtung der Gesamtanlage auf das Schloss, die Symmetrie der Wege und Pflanzungen, die domestizierte Natur, die antikisierende Kunst, das Gartentheater als Festraum, die Wasserspiele ... Objekte aus den Bereichen Kunst, Wissenschaft, Hofleben und Alltagskultur vermitteln Einblicke in die Bildwelten, Mentalitäten und Denkweisen des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts, als der Garten seine Entstehung und Blütezeit erlebte Naturbeherrschung, Bildgewalt, glanzvolle Inszenierung, internationale
Vernetzungen und ein ausgeprägtes Bewusstsein von der Vergänglichkeit des Lebens waren Kennzeichen dieser faszinierenden Epoche. In dem Bereich Neobarock widmet sich die Ausstellung abschließend den Aspekten des Umgangs mit der barocken (Garten-)Kultur im 19. und 20. Jahrhundert. Der Große Garten und die mit ihm verbundenen Ideen erlebten vielfältige Renaissancen
und Idealisierungen. Dazu gehörten beispielsweise die Heroisierung der Persönlichkeiten Sophie und Leibniz seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert, die Wiederbelebung des Gartens in den 1930er Jahren und die zeitgenössischem Geschmack angepasste Modernisierung des Gartens mit viel Blumenschmuck zum 1966 gefeierten 300jährigen Jubiläum.
Die Ausstellung richtet sich an ein breites internationales Publikum. Sie ist fünfsprachig konzipiert und beschränkt sich auf die für das Verständnis der Barockkultur zentralen Erläuterungen.
Ausstellungskuratoren: Dr. Andreas Urban, Dr.-Ing. Bernd Adam (beratend)
Ausstellungsgestaltung: Homann Güner Blum. Visuelle Kommunikation, Hannover
Foto: © 29.03.2022 Matthias Falk - hannover_fotografie










