Museum für textile Kunst: Sonderausstellung: Jérémy Gobé Lace is more – die Kunst mit Spitze Korallen zu retten

Museum für textile Kunst: Sonderausstellung: Jérémy Gobé Lace is more – die Kunst mit Spitze Korallen zu retten

Jérémy Gobé, Jahrgang 1986, gehört zu den international renommiertesten Künstlern der „Environmental Art“ (Umweltkunst). Mit „Corail Artefact“ verbindet er in mehreren Projekten Kunst, Wissenschaft und innovative Technologien sowie Bildung, um Korallenriffe wieder herzustellen. 

Korallenriff im Bunker

Blaues Licht wie in den Untiefen des Meeres, gepaart mit textilem Gewebe an dicken Wänden und Decken, die wie Felsen wirken, vermitteln Besucherinnen und Besuchern die Illusion eines Korallenriffs. Der besondere Ort des Museums, ein im zweiten Weltkrieg erbauter Bunker, bildet den Kontrast zu der zarten Ästhetik der Kunstwerke von Jérémy Gobé und stellt gleichzeitig den Bezug zur oft unerbittlichen Realität der von Menschen beeinflussten Umwelt her.

Initiiert hat die Ausstellung die Museumsgründerin und Modedesignerin Erika Knoop. Das MftK setzt sich seit seiner Gründung 2007 für den umweltverträglichen Umgang mit Textilien ein und will mit der aktuellen Ausstellung zeigen, welch enormes Potenzial in der Entwicklung neuer Fasern in Verbindung mit traditionellen Handwerkstechniken steckt. Begleitend zur Sonderausstellung finden Workshops und Lesungen statt. Für die aktuelle Sonderausstellung konnte das MftK namhafte Förderer gewinnen.

Klöppelspitze und Klimawandel

Der in Paris lebende Künstler ist bekannt dafür, traditionelle Handwerkstechniken in einen zeitgenössischen Kontext zu setzen. Besonders fasziniert ihn die Klöppelspitze, ein filigranes Kunsthandwerk, das er mit aktuellen Themen wie dem Klimawandel verknüpft. Ebenso gilt seine Aufmerksamkeit seit langem Korallen mit ihren skulpturalen Formen und ihrer Farbenpracht.

Gobé entdeckt: Korallen lieben Spitze

Das Kunsthandwerk des Spitzenklöppelns lernte Gobé 2017 in einer kurz vor der Schließung stehenden Fabrik in Le Puy-en-Velay, Südfrankreich, kennen. Er entdeckte das traditionelle Muster der feinen Netzspitze aus organischem Material wie Seide oder Baumwolle. Gobé traf es wie ein Blitz: Das Muster der Spitze erinnerte ihn sofort an die Struktur von Korallen. Mit diesen besonderen Meerestieren beschäftigte er sich schon länger in seinem künstlerischen Schaffen. Die Farbenpracht und Formenvielfalt der stark bedrohten Korallenriffe faszinieren ihn. Die große Ähnlichkeit der Klöppelspitze mit Korallen brachte ihn auf die Idee, ein Experiment in einem Meeresaquarium zu starten – und tatsächlich siedelten sich die Larven der Korallen an der Spitze mit ihrer korallenähnlichen Struktur an.

Das Projekt „Corail Artefact“

Jérémy Gobé gründete aufgrund der positiven Ergebnisse mit Klöppelspitze 2019 das Projekt „Corail Artefact“, um einen Beitrag zur Rettung der Korallenriffe zu leisten. Die interdisziplinäre Initiative verbindet Kunst, Wissenschaft und Forschung, innovative Technologien und Unternehmen der Meeresaquaristik miteinander. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines ökologischen Betons und eines ökologischen Biopolymers, mit dem sich korallenförmige Strukturen und Halterungen für Ableger von Korallen im 3D-Druck herstellen lassen. Die Materialien namens CCA und BCA (Abkürzungen für Concret Corail Artefact und Biopolymer Corail Artefact) sind zu hundert Prozent umweltverträglich für die Meere, wobei BCA sogar biologisch abbaubar ist.

Ziel ist die Entwicklung nachhaltiger, biologisch abbaubarer Trägerstrukturen, die das Wachstum und die Wiederansiedlung von Korallen erleichtern. Gobé kombiniert dabei Textilkunst mit Meeresbiologie: Die Spitze wird inzwischen aus biobasierten BCA-Fäden gefertigt. Die Ausstellung zeigt erstmalig Muster, die mit diesen Fäden entwickelt wurden. „Corail Artefact“ arbeitet mit verschiedenen Meeres- und Umweltschutzorganisationen zusammen.

Erfolgreiche Tests

Die ersten Tests fanden im französischen Meereszentrum „Nausicaá“ statt. Dort wachsen verschiedene Korallenarten erfolgreich auf den von „Corail Artefact“ entwickelten Strukturen. Was als künstlerisches Experiment begann, hat sich zu einer wissenschaftlich fundierten, ökologisch wirksamen Lösung entwickelt. Seiner Überzeugung nach soll Kunst für die Gesellschaft da sein und nicht die Gesellschaft für die Kunst. Daher gehören auch Bildungsprogramme zum Konzept seiner Initiative. Das Projekt „Corail Artefact“ ist ein Beispiel dafür, wie Künstler mit ihrer Kreativität zur Lösung der Probleme unserer Zeit, wie dem Klimawandel, beitragen können. 

Über Jérémy Gobé

Jérémy Gobé, Jahrgang 1986, lebt und arbeitet in Paris. Er ist Absolvent der französischen Hochschulen Beaux arts in Nancy und Arts Décoratifs in Paris. Er gehört zu den Künstlern, die davon ausgehen, dass Kunst einen Beitrag zur Lösung der großen Herausforderungen der Menschheit, wie beispielsweise dem Klimawandel, leisten kann. Seine Ausstellungen sind international gefragt. Seine Arbeiten erhielten viele Auszeichnungen. Durch sein Interesse an der Umwelt ist sein künstlerisches Schaffen der Wissenschaft nähergekommen. 

Die Dauerausstellung „Textile Weltreise“ bleibt während der Sonderausstellung übrigens ebenfalls geöffnet.

Über das Museum für textile Kunst e.V.

Das Museum für textile Kunst engagiert sich für einen achtsamen, sozialverträglichen und umweltfreundlichen Umgang mit Kleidung. Die Dauerausstellung zeigt kostbare und besondere Textilien aus aller Welt. Der Ausstellungsort ist ebenfalls besonders: In einem renovierten Bunker des Zweiten Weltkriegs befindet sich die wertvolle von Modedesignerin und Museumsgründerin Erika Knoop zusammengetragene Textilsammlung, die als Dauerausstellung „Textile Weltreise“ durchgehend geöffnet ist.

Führungen sind während der Öffnungszeiten und nach telefonischer Anmeldung möglich.

Museum für textile Kunst e.V.,
Borchersstrasse 23,
30559 Hannover,
Telefon: 0511/ 5295517
Mobil: 0177 6765045
info@museum-fuer-textile-kunst.de

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag 11-18 Uhr, Sonntag 11-16 Uhr.

Preise: Eintritt 10,- €, Studierende und Schüler 8 €, 12-16 Jahre 5 €, Kinder bis 11 Jahre haben freien Eintritt. 

Fotos/Video: © 26.02.2026 Matthias Falk - hannover_fotografie
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