Sonderausstellung : vom „Rokoko-Traum zum globalen Albtraum“ im Museum für textile Kunst

Sonderausstellung : vom „Rokoko-Traum zum globalen Albtraum“ im Museum für textile Kunst

Die Sonderausstellung „Vom Rokoko-Traum zum globalen Albtraum" zeigt, wie die Demokratisierung der Mode die Welt zur Mülldeponie werden ließ.

Hannover. Aufwändigste Handwerkskunst, glamouröse Haute Couture, minderwertige Massenware - auf 80 gm? zeigt das Museum für textile Kunst vom 11. Februar bis zum 3. September 2023 die Entwicklung der Mode in Korrelation mit der industriellen
Textilproduktion der letzten 250 Jahre. Die Textilindustrie gilt als Ausgangspunkt der industriellen Revolution. Sie brachte die Mode in alle Gesellschaftsschichten und erschuf gleichzeitig neue Statussymbole der Eliten, sie erweiterte die Vielfalt der Stoffe und Farben enorm, aber Mensch und Natur müssen dafür einen giftig hohen Preis zahlen. Den Stellenwert von Textilien für den Menschen bringt Erika Knoop, die Kuratorin der Ausstellung folgendermaßen auf den Punkt: „Textil ist Kleidung und Kleidung ist eine zweite Haut und diese Haut darf kein Schrott sein.

Die Zeitreise der Ausstellung beginnt chronologisch mit einem handbestickten Justaucorps und einer Robe a la francaise aus Seidentaft. Die aufwendig gearbeiteten Stoffe des Rokoko sind noch reine Handarbeit und ausschließlich der oberen
Gesellschaftsschicht vorbehalten. Weiter geht es mit der Automatisierung der Textilherstellung durch die Erfindung des lochkartengesteuerten Jacquard-Webstuhls 1805. Die Stolle wurden nun günstiger und die daraus resultierende neue Eleganz
des Bürgertums zeigen Kleider der Gründerzeit und des Jugendstils.

Einzigartige Couture-Modelle, wie ein Cape von Madame Grès und ein Mantel aus US-Dollar-Noten von Stella Stein-Schneider für den Künstler Andora machen deutlich, wie die Haute Couture und Hohe Schneiderkunst eigene Kunstwerke schafften. Uber die Prêt-a-Porter und systematisch aufgebaute Modemarken geht es zu den heute allseits gegenwärtigen Fast-Fashion-Marken wie H&M,
Zara oder Primark und deren Wegwerfkleidung.

Am Ende des Ausstellungsrundgangs symbolisiert daher ein Kleidermüllberg den globalen Albtraum, aus dem es dringend einen Ausweg zu finden gilt.

Museum für textile Kunst e.V.
Das Museum für textile Kunst e.V. in Hannover-Kirchrode ist ein gemeinnütziger Verein. Er wird ehrenamtlich betrieben und finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Eintrittsgeldern. Das Museum wird vom Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover institutionell gefördert.

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